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ARCHIVE 2005

Nicht immer nach Schema F investieren

Strategien, die die Anlagedauer und die Risikofähigkeit eines Investors in den Mittelpunkt rücken, sind gang und gäbe. Mit einem neuen Ansatz liessen sich aber viele Portfolios optimieren.

Von Katinka Gyomlay
Blättert der Privatanleger in Anlage- oder Fondsprospekten von Banken und Vermögensverwaltern, gilt meist der Ratschlag, sich zuerst punkto Risikofähigkeit und Anlagehorizont einzuordnen und dann auf dieser Selbsteinschätzung sein Vermögen zu investieren.
So kann es sein, dass man nach einem Gespräch mit seiner Hausbank einen Grossteil seiner Anlagesumme in einer Standardstrategie – beispielsweise in einem Anlagezielfonds – investiert wiederfindet. Dementsprechend gross ist die Enttäuschung, wenn die Kursentwicklung des «Wachstumsfonds» seinem Namen keine Ehre macht und man sich zu fragen beginnt, was denn eigentlich mit «wachstumsorientiert» und «langfristigem Anlagehorizont» genau gemeint ist.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine Anlagestrategie festzulegen, die sich auf die Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie stützt, und ausgehend von einem anvisierten Risikoniveau und Anlagehorizont mit einem diversifizierten Portfolio den höchstmöglichen Ertrag anzupeilen.
Doch der Teufel liegt im Detail respektive darin, den Ansatz zu konkretisieren und in die Tat umzusetzen. Denn oft ist es nicht einfach, die eigene Risikofähigkeit und Risikobereitschaft einzuschätzen, mit dem Wissen, dass darauf aufbauend das ganze Portfolio in eine Risikoklasse «gezwängt» wird. Was also tun?
Sicherheit steht an erster Stelle
Seine Optik verändern, lautet eine Antwort. Dieses Ziel verfolgt ein an der Universität St. Gallen entwickelter Systemansatz von Cuno Pümpin, emeritierter Professor, und Thomas Kraus von Kraus Partner Investment Solutions. «Anstatt das Portfolio einer Risikoklasse zuzuweisen, wird es in Untergruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Funktionen eingeteilt», sagt Kraus, der bei Anlegern immer wieder ein gewisses Unwohlsein feststellt, was den herkömmlichen Standardansatz betrifft.
Die Idee ist, ein Portfolio gemäss den Bereichen Sicherheit, Alpha und Beta zu strukturieren. Als Erstes wird das (wichtigste) Thema Sicherheit abgedeckt. Ziel dieser Investition ist die Sicherung einer materiellen Grundlage respektive des gegenwärtigen Lebensstandards. Hier soll kein «Mehrwert» abgeschöpft werden, dafür setzt man sich auch keinen unsystematischen Risiken aus. Typische Bestandteile dieses Portfolios sind erstklassige Obligationen, Edelmetalle oder Sachanlagen.
Als nächster Schritt wird zwischen dem Alpha- und Betaportfolio unterschieden. Dahinter steht die Überlegung, nur dann auf eine aktive (Alpha-)Strategie zu setzen, wenn sich tatsächlich Wettbewerbsvorteile und Chancen eröffnen, ansonsten aber nach kostengünstigen Anlagevehikeln Ausschau zu halten.
Interessant ist bei diesem Ansatz, dass durch diese Unterteilung ganz bewusst Kostenüberlegungen zum Tragen kommen. «Viele Privatinvestoren finden einen grossen Anteil ihres Vermögens in aktiven – und damit teuren Anlageprodukten investiert», konstatiert Cuno Pümpin. «Im Gegensatz dazu stellen wir fest, dass die individuellen Wettbewerbsvorteile des Investors oder seiner beratenden Institution zu wenig genutzt werden.»
Insofern ist das Alphaportfolio in seiner Grösse und dem Schwerpunkt ganz auf die individuelle Ausgangslage seines «Besitzers» ausgerichtet. Verfügt ein Anleger beispielsweise über spezielle Kenntnisse im Immobiliensektor, könnte dies eine Ausrichtung sein. Das Gleiche gilt, indem versucht werden kann, die speziellen Stärken eines Bank- oder Fondsanbieters zu nutzen.
Was die prozentuale Aufteilung des Vermögens auf die einzelnen Untergruppen anbelangt, gibt es keine Standardantwort. «So muss auch nicht zwingend ein Alphaportfolio aufgebaut werden, wenn keine speziellen Stärken und Kenntnisse bestehen», ergänzt Thomas Kraus.
Der verbleibende (Beta-)Teil der Anlagesumme wird nach dem traditionellen Ansatz der Portfoliotheorie angelegt. Insbesondere wird hier auch der Diversifikationseffekt beachtet. Das heisst, keine Klumpenrisiken im Portfolio aufzubauen.
Ein wichtiger Unterschied zum herkömmlichen Ansatz besteht darin, dass nur passive und damit kostengünstige Instrumente in das Betaportfolio aufgenommen werden. Die Überlegung dahinter: Wenn kein spezieller Vorteil auszumachen ist, muss auch nicht in aktive und damit teurere Produkte investiert werden. So kommen für das Betaportfolio Indexprodukte in Frage – beispielsweise Indexfonds oder so genannte ETFs (Exchange Traded Funds), die sich an einem Referenzindex orientieren und einen Markt, wie etwa den Swiss-Market-Index, abbilden.
Unrentable Investments verkaufen
Im Weiteren beziehen die Autoren den Alphaansatz nicht nur auf die Fähigkeiten eines einzelnen Anlegers, sondern geben die Idee auch an die Banken und Vermögensverwalter weiter: Diese sollten nur solche Anlagevehikel «in house» anbieten, die gegenüber ihren Konkurrenten Wettbewerbsvorteile haben. Diese Produkte könnten dann aber auch umso erfolgreicher den Kunden angeboten werden.
Ein zusätzlicher Gedanke ist, dass gerade ein Privatanleger mit diesem Ansatz auch den Umfang des Anlageentscheids verringern kann. In drei Schritten vorzugehen, ist einfacher, als sich mit einer einzigen grossen Grundfrage zu beschäftigen.
Gleichzeitig muss ein Investor beim Überprüfen seines Portfolios auch den Mut haben, «loszulassen» und unrentable, über lange Zeit enttäuschende Anlagen endlich zu verkaufen.